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Libyens Wirtschaft

Die Regierung Libyens plante Mitte 2000 eine weit reichende Umstrukturierung der Wirtschaft. Das Land war bis dahin fast allein abhängig von der Erdölgewinnung und dem Handel mit diesem Rohstoff.

Zum Beispiel betrugen im Jahr 1999 die Ölausführen etwa 95 Prozent der Einnahmen an Devisen des Landes. Das entsprach rund sieben Milliarden US-Dollar. So sollte nun also der Dienstleistungssektor gestärkt werden. Ein Hauptgrund für die Konzentration auf den tertiären Sektor war die Arbeitslosenquote. Sie betrug rund 30 Prozent und sollte unbedingt abgebaut werden. Inzwischen beträgt der Anteil der Dienstleistungen am Bruttoinlandsprodukt etwa 50 Prozent. Industrie und Landwirtschaft sind auf 42 beziehungsweise 8 Prozent gesunken.
Ein sehr großer Investitionspunkt war die libysche Infrastruktur. Von 2001 bis 2005 sollten etwa 35 Milliarden US-Dollar in die Verbesserung derselben fließen. Hauptgrund dafür war, das Land für Touristen attraktiver zu machen. Libyen war bis vor wenigen Jahren noch kein Hauptreiseziel für Urlauber. Um Reisende anzulocken wurden vor allem Hotels gebaut. Dabei hat man darauf geachtet, möglichst den Standard westlicher Länder bieten zu können. Der Tourismus wurde als lukrative Einnahmequelle für das Land gesehen und so wurde auch entsprechend viel Geld in den Ausbau der Dienstleistungen im Reisesektor investiert.
In der Industrie konzentrieren sich die Libyer vor allem auf die Produktion von Petroleum, Eisen und Stahl, Textilien und Zement. Aber vor allem werden natürlich immer noch Erdöl und Erdgas sowie die Produkte daraus ausgeführt. Exportpartner dafür sind vor allem Italien (39%), Deutschland (14%), Spanien (14%), Türkei (7%) und Frankreich mit 6 Prozent.

Anteile an Exporterlösen Libyens

Rund ein Drittel der Industrie beanspruchen die Importe für sich. Partner für die Einfuhr von Produkten sind auch wieder Italien (25%) und Deutschland (11%), aber auch Südkorea, Großbritannien und Tunesien.
An der Küste Libyens werdem vor allem Weizen, Gerste, Gemüse, Oliven, Zitrusfrüchte und Datteln angebaut.
Schon seit 1984 besteht das "Great-Man-Made-River-Projekt". Bei diesem werden die noch aus der Eiszeit stammenden Süßwasservorräte der Sahara gefördert. Hintergrund dafür ist, dass sich Libyen von den Lebensmittelimporten aus anderen Ländern unabhängig machen möchte und selbst Agrarprodukte in ausreichender Menge anbauen und exportieren möchte. Es ist allerdings bis heute noch nicht bekannt, wie groß die Vorkommen eigentlich sind und wie lange sich damit wirtschaften lässt.

Umfassende Regierungsumbildung in Libyen im März 2004

Gesetze zur teilweisen Privatisierung der Wirtschaft und für Auslandsinvestitionen verabschiedet

Der libysche Allgemeine Volkskongress (Parlament) hat am 6. März 2004 eine umfassende Kabinettsumbildung beschlossen, wie die staatliche Nachrichtenagentur JANA berichtete. Die Entscheidung sei nach dreitägiger Debatte auf einer Sitzung in der Hafenstadt Sirte gefallen, hieß es. In Libyen werden offiziell alle Entscheidungen vom Volke, das heißt vom Volkskongress getroffen. Es gibt aber keinen Zweifel, dass nichts wichtiges ohne Billigung durch Revolutionsführer Muammar el Gaddafi geschieht. Eine Begründung für die Umbildung wurde nicht genannt. Das Parlament beschloss die Einrichtung vier neuer Ministerien für Kultur, Energie, Jugend und Arbeit. Letzteres wird künftig von Ma'atoug Mohamed Ma'atoug (Matuk Mohammed Matuk) geleitet, der Leiter der Atomenergiebehörde Libyens ist. Ma'atoug war zuvor Minister für Dienstleistungen und Wissenschaft und stellv. Regierungschef. Zudem auch zuständig in Fragen der libyschen Entwicklungen an Massenvernichtungswaffen: Leiter der libyschen Atomenergiebehörde, davor bei der UNESCO tätig. Laut JANA wurde auch das bisherige Ministerium für Justiz und Allgemeine Sicherheit geteilt. Der bisherige Minister Muhammad Ali al-Musrati wurde ersetzt durch Justizminister Ali Omar Abu Bakr und den Minister für öffentliche Sicherheit: Naser Al-Mabrouk Abdallah. Ministerpräsident (Regierungschef) Shukri Ghanem und Außenminister Abderrahman Shalgam (Shalkam) behielten ihre Ämter. Erstmals seit 5 Jahren hat Libyen auch wieder einen Energieminister mit dem Ölexperten Fethi Omar bin Chetwane. Weiterhin wurde Finanzminister Al-Ogaili Abdelsalam Breni (al-Ujayli Abd-al-Salam Burayni) durch den bekannten Leiter der libyschen Investmentgesellschaft Mohamed Ali al Houeiz ersetzt, der ale Reformer gilt und die Privatisierung der libyschen Wirtschaft einleiten soll. Hierzu wurden schon jetzt die Wirtschaftsgesetzt durch den Allgemeinen Volkskongress verabschiedet. Die neue Gesetzgebung reflektiert eine Reihe von Änderungen in der Wirtschaftspolitik Libyens, einschließlich des Privatisierens der staatlichen Unternehmen und der Anstalten durch Investitionen im privaten Sektor, auch genannt als "popular capitalism". Zudem wurden Gesetze zur Bekämpfung von Schmuggelwaren und zur Eindämmung von Flüchtlingsströmen aus dem südlichen Afrika, die Libyen als Transitland nach Europa nutzen. Weitere Gesetze betrafen die Förderung der Tourismusbranche und den Abbau von Regulierungen und Gewährung von Steuerfreiheiten für den Bau von Hotelanlagen und Resorts.

EIA beziffert das Ölexporteinkommen Libyens im Jahr 2003 auf 13,4 Milliarden US-Dollar 

Die Energy Information Administration (EIA) beziffert das Ölexporteinkommen Libyens im Jahr 2003 auf 13,4 Milliarden US-Dollar und erwartete Einnahmen von 12,9 Milliarden US-Dollar für dieses Jahr. Das Wirtschaftswachstum in Libyen wird auf 2,3 bis 2,6 Prozent für dieses Jahr geschätzt. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg im Jahr 2003 um 3,8 Prozent. Während der UN-Sanktionen 1998 beliefen sich die Ölexporteinnahmen auf nur 5,9 Milliarden US-Dollar. Die EIA warnte aber davor, dass trotz des stetigen Wirtschaftswachstums die Arbeitslosigkeit bliebe und das Bevölkerungswachstum zunehme. Zudem bestehen in Libyen eine schlechte Infrastruktur und das Geschäftsklima wird durch häufig willkürliche Regierungsentscheidungen gestört.

Regierungschef Ghanem hofft nach Ende der UN-Sanktionen auf ausländische Investitionen in Libyen

Der libysche Regierungschef = Generalsekretär der Allgemeinen Volkskomitees, Shukri Mohammed Ghanem erklärte, dass es Anzeichen für eine Verbesserung der libysch-amerikanischen Beziehungen innerhalb der nächsten 9 Monate gebe. Bislang unterhalten die USA und Libyen seit 1981 keine diplomatischen miteinander. US-Ölunternehmen  wollen nach Libyen zurückkehren, doch die US-Regierung blockiert bislang deren Interesse. Es wäre vorteilhaft für beide Seiten, so Ghanem. Eine Öffnung für ausländische Investoren ist im Interesse des Landes. Schwierigkeiten bei Fragen der Infrastruktur und durch Bürokratie soll ausländische Gesellschaften nicht daran hindern in Libyen investieren. Die Regierung plant als Infrastrukturmaßnahme u.a. die Erweiterung des Mobilfunknetzes in Libyen auf 1 Million Telefonleitungen und die des Festnetzes auf 1,5 Millionen Leitungen. Der Entwicklungsetat u.a. für die Infrastruktur betragen im Haushaltsjahr 2003 rund 3,7 Milliarden Libysche Dinar (ca. 2,8 Milliarden US-Dollar), während der Erdöl- und Erdgassektor 2,0 Milliarden Libysche Dinar (ca. 1,5 Milliarden US-Dollar) erreicht. Ghanem sagte auch, dass in Libyen derzeit rund 1,5 Millionen Arbeiter aus dem Ausland tätig sind und 200.000 Libyer ohne Arbeit sind. Dieser Widerspruch ist natürlich nicht annehmbar und die libysche Regierung will auf die Ölunternehmen im Land Druck ausüben mehr libysche Staatsangehörige zu beschäftigen.

Allgemeines zur libyschen Wirtschaft vor Ende der UN-Sanktionen

Die Wirtschaft des Landes nach den Lehren des “Grünen Buches” von Revolutionsführer Oberst Muammar el Gaddafi organisiert. In Verwirklichung des Grundgedankens “Komitees überall” und “Partner, nicht Lohnarbeiter” sollten die Wirtschaftseinrichtungen Libyens von dem in Volkskongressen und Volkskomitees organisierten Volk verwaltet werden. Dementsprechend sollte es weder private Wirtschaftstätigkeit noch Unterschiede in Einkommen und Vermögen geben. De facto gestaltete sich die Wirtschaft des Landes als Staatswirtschaft. Infolge wirtschaftlicher Probleme ist die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft in den vergangenen Jahren gelockert worden. Seit 1987 vollzieht sich eine schrittweise Re-Liberalisierung der Wirtschaft. 1988 wurde der zentrale Markt in Tripolis wiedereröffnet. Ein vom Allgemeinen Volkskongress 1992 erlassenes Gesetz gestattet privates Engagement in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Als Folge der Unzufriedenheit von Revolutionsführer Gaddafi mit der Wirtschaftspolitik des Allgemeinen Volkskomitees beschloss der Allgemeine Volkskongress am 1. März 2000 die Auflösung eines Großteils seiner Sekretariate (Ministerien). 12 Sekretariate, darunter 4 Wirtschaftsressorts, wurden aufgelöst und ihre Kompetenzen auf die regionalen Volkskomitees der 26 Provinzen (Shaabiyat) übertragen. Erhalten blieben 5 Sekretariate für die Bereiche Äußeres, Justiz und Sicherheit, Information und Tourismus, Finanzen und Afrikanische Einheit. Die Zuständigkeit für die Energiepolitik des Landes wurde der staatlichen Erdölgesellschaft National Oil Corporation (NOC) übertragen, die unter der Oberaufsicht des Allgemeinen Volkskomitees (Ministerpräsidentenamt) arbeiten wird.

Die Ölindustrie bleibt das Rückgrat der libyschen Wirtschaft. Öl- und Gasexporte erbringen im Durchschnitt ca. 90 % der Deviseneinnahmen und machen ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. In Zukunft soll jedoch die Abhängigkeit des Staatshaushalts vom Exporterlös aus dem Ölsektor drastisch reduziert werden. Für die Konsolidierung der Wirtschaftslage bieten das Ende des 7-jährigen UN-Embargos im April 1999 und die Erholung der Erdölpreise auf dem Weltmarkt von einem 20-Jahres-Tief Ende 1998 zusätzlichen Handlungsspielraum.

Die Diversifikationsbemühungen der libyschen Behörden konzentrieren sich auf die Entwicklung der Landwirtschaft und eine Förderung des Privatsektors u.a. im Tourismusbereich. Zu den gegenwärtigen Prioritäten gehören die Beschränkung der staatlichen Investitionen, die Einführung institutioneller, technischer und gesetzlicher Marktmechanismen sowie die Privatisierung subventionierter Staatsunternehmen. Im Dienstleistungsbereich spielt seit der Liberalisierung Anfang der 90er Jahre der Privatsektor eine immer wichtigere Rolle. Die Regierung fördert dies durch Erleichterungen bei den Einfuhrregelungen und beim Devisentausch. So erhalten Importunternehmern bei den staatlichen Kreditinstituten zur Einfuhr bestimmter Konsumgüter Devisen zum weitaus günstigeren Parallelmarktkurs zu Verfügung.

Bruttonationalprodukt Libyens

Das Bruttonationalprodukt wies im Jahr 2001 eine Wachstumsrate von 3,1% auf, dürfte laut internationalen Wirtschaftsprognosen im Jahr 2002 allerdings auf 2% zurückgehen. Das Budget für 2002 beläuft sich insgesamt auf 9,4 Mrd. US-Dollar davon entfallen 3,2 Milliarden US-Dollar auf das sogenannte Entwicklungsbudget (Ausgaben zur Verbesserung der Infrastruktur und Projekte der Erdöl-, Gas- und Schwerindustrie) und  6,2 Mrd. US-Dollar auf das sogenannte administrative, wovon fast 70 % auf  Gehälter und Löhne entfallen (darunter rund 1,3 Mrd. US-Dollar als Verteidigungsbudget).

BIP (Bruttoinlandsprodukt 2006): 46 Milliarden US-Dollar.

In der Realität zeigen sich systembedingte Friktionen, die die Produktivität und Effizienz der Wirtschaft beeinträchtigen. Insbesondere krankt die libysche Volkswirtschaft daran, dass die Wertschöpfung im eigenen Land verschwindend gering ist. Entsprechend hoch sind die Importe. Einfuhr hauptsächlich von Maschinen, technische Ausrüstungen, Konsumgüter und Nahrungsmittel. Haupthandelspartner sind Italien und Deutschland, die über 50 % der Exporte aufnehmen und ca. 35 % der Importe liefern. Dem Privatsektor soll zukünftig eine größere Rolle eingeräumt werden. Die gewerbliche Wirtschaft expandiert weiter, ihre Ausrüstungen spiegeln vielfach einen hohen technischen Stand wider. 

Die Landwirtschaft profitiert von fossilen Grundwasserseen unter der Sahara. Deren Vorräte werden in einem riesigen Rohrsystem, dem GMMR Great Man Made River, in die fruchtbaren, dichter besiedelten Küstenregionen gepumpt. Nur 1,2% der Staatsfläche sind landwirtschaftlich nutzbar. Die Landwirtschaft trägt rund 7% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, rund 18 % der Erwerbstätigen sind in diesem Sektor beschäftigt. Angebaut werden vor allem Weizen, Oliven, Tomaten, Melonen und Zitrusfrüchte. Tabakanbau zu 0,04 % der Agrarfläche. Viehwirtschaft und Fischerei sind nur von geringerer Bedeutung. Libyen muß rund 75% aller Nahrungsmittel importieren.

An Bodenschätzen sind neben Erdöl und Erdgas Eisenerz, Salz, Phosphat, Natron und Schwefel vorhanden. Ein großer Teil der industriellen Betriebe verarbeiten das geförderte Erdöl weiter. Über 40% des BIP werden durch die Industrie erwirtschaftet und 31 % aller Erwerbstätigen sind hier beschäftigt.

Zur Infrastruktur: Libyen ist mit Straßen gut erschlossen. Der Bau einer Eisenbahn entlang der Küste sowie Richtung Schwarzafrika ist geplant. Es gibt Überlegungen, den Tourismussektor stärker zu entwickeln. Weitere Entwicklungen im Bereich Fischereiwesen ist ebenfalls geplant. Ein 5-Jahresplan für Investitionen insbesondere in der Infrastruktur ist in Vorbereitung.