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Gesamtwirtschaftliche Entwicklung und Konjunkturerwartungen für das Jahr 2004

Das Umfeld für die wirtschaftliche Tätigkeit in Libyen sollte sich auch 2004 langsam verbessern. Mit der im September 2003 erfolgten Aufhebung der Sanktionen durch die Vereinten Nationen und dem Verzicht auf Massenvernichtungswaffen durch die libysche Führung Ende Dezember meldet sich das Land wieder in die Weltwirtschaft zurück.

Das Interesse der ausländischen Handelsunternehmen und Investoren an Libyen ist ungebrochen groß, handelt es sich doch um den letzten öl- und gasreichen, aber noch nicht erschlossenen Markt in der Mittelost-Nordafrika-(MENA)-Region. Dabei wird ihnen allerdings ein gewisses Durchhaltevermögen abverlangt, denn das Land ist noch weitgehend abgeschottet und von nicht-marktwirtschaftlichen Bedingungen geprägt. Libyen muss sich nach langen Jahren der internationalen Isolation erst wieder in die Weltwirtschaft reintegrieren, wobei 2003 wichtige Erfolge durch die Aufhebung des Boykotts der Vereinten Nationen im September 2003 und durch Russland im November 2003 erreicht werden konnten.

Hingegen kommen dominierende Großprojekte nicht so schnell voran wie angekündigt oder ausgeschrieben. Noch kann von einer eigenständigen Konjunktur im marktwirtschaftlichen Sinne nicht gesprochen werden, doch schätzen Analysten die Entwicklung der Wirtschaft 2003 und 2004 als "gute" Jahre ein und erwarten mittelfristig eine langsame, aber stetige Fortsetzung der positiven Entwicklung. Von einer anhaltend günstigen Perspektive sind auch die Außenhandelsbeziehungen mit deutschen Unternehmen gekennzeichnet, die zu den führenden Partnern Libyens zählen.

Libyen gehört wie alle ölreichen Staaten zu den Gewinnern der Irak-Krise und der allgemeinen Unsicherheiten - jedenfalls bis jetzt. Denn im Grunde werden die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes durch die Entwicklungen der internationalen Öl- und Gaspreise bestimmt. Durch die 2003 krisenbedingt auf relativ hohem Niveau verbliebenen Erdölpreise sind die Kassen Libyens prall gefüllt, genauer: der spezielle Erdölfonds des Landes. Dies zeigt sich 2003 etwa an der starken Zunahme der Devisenreserven auf 15,0 Milliarden US-Dollar von 13,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2002, was einem angenommenen Importbedarf (2004 etwa 7,0 Milliarden US-Dollar) von mehr als zwei Jahren entspricht. So konnte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2003 ein stärkeres Wachstum aufweisen als ursprünglich angenommen, wobei allerdings die Schätzungen über dessen Höhe wegen der sehr unsicheren Datenlage in Libyen eine große Spannweite aufweisen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartete in seiner Prognose von Mitte 2003 sogar einen Schub von 5,6% für das Gesamtjahr. Unter Berücksichtigung der wenig dynamischen Entwicklung im 2. Halbjahr wird in der vorliegenden Analyse das Wachstum für 2003 auf immerhin 3,5% geschätzt, nach einem negativen Ergebnis für 2002 von -0,2%.

Für das Jahr 2004 kann weiteres Wachstum um 3,0% erwartet werden. Dieser leichte Rückgang der Steigerungsrate wird ausschließlich durch die Unwägbarkeiten des internationalen Ölpreises bestimmt, wobei eine eventuell mögliche umfangreichere Produktionsaufnahme des Irak den Weltmarktpreis drücken würde, mit leicht negativen Auswirkungen auf Libyen. Das Land verdient über 98% seiner Devisen durch seine Öl- und Gasexporte, mehr als 80% der Investitionen werden hieraus finanziert.

Libyschen Organisationen und Unternehmen werden 2004 steigende Käufe im Ausland ermöglicht. Die tatsächliche Entwicklung bei den Aufträgen wird allerdings durch einige Unwägbarkeiten in der Entscheidungsfindung bestimmt. So war es 2003 zu Rückgängen bei den Importen gekommen. Die deutschen Exporte nach Libyen waren hiervon nicht betroffen und konnten 2003 um insgesamt ca. 16% zulegen, allerdings nach einem Rückgang um 5,1% im Jahre 2002. Die deutschen Lieferanten von Maschinen und Anlagen konnten 2003 sogar um 31% bessere Geschäfte machen. Hingegen kam es bei Vorerzeugnissen und Konsumgütern zu Rückgängen.

Für 2004 wird erwartet, dass fast alle Produktgruppen zulegen können, ebenfalls nehmen die deutschen Bezüge aus Libyen zu. Für Deutschland bleibt Libyen bis auf weiteres der wichtigste außereuropäische Erdöllieferant, die bilaterale Handelsbilanz ist für Libyen deutlich positiv. Auf dieser ausgezeichneten Grundlage können deutsche Unternehmen ihre Geschäfte mit Libyen aufbauen.

Investitionen und Investitionsklima

Die Investitionen Libyens werden - gemäß der noch vorherrschenden zentralstaatlichen Wirtschaftsdoktrin des Landes - auch 2004 und 2005 vornehmlich von staatlichen Institutionen oder öffentlichen Unternehmen getragen. Den Kurswechsel hin zu mehr privaten in- und ausländischen Kapitaleignern hat Revolutionsführer Gaddafi auch gegenüber dem IWF bekräftigt und im Juni 2003 mit der Umsetzung den neuen Premierminister Ghanem beauftragt. Dessen Ankündigung der Privatisierung von 360 Staatsunternehmen eröffnet auch für ausländische Investoren ein klassisches Beteiligungsfeld in bestimmten Branchen.

Wachstumsbranchen

Insgesamt gesehen ist das Wachstum in Libyen stark gebremst, denn die Akteure warten auf das Durchstarten, wenn die externen und internen Schranken soweit angehoben sind, dass das Rennen losgehen kann. Von eindeutigen einzelnen Branchenkonjunkturen, die durch ein eigenständiges Wachstum getragen sind, kann in Libyen noch kaum die Rede sein. Vielmehr werden im Rahmen eines staatlichen Zuteilungssystems Produktion und Absatz gesteuert, private Betätigungen finden sich vor allem in Handel und Diensten. In diesem System kommen Großprojekten noch immer die Funktionen von Lokomotiven zu, die neue Geschäftsfelder erschließen und kompletten Branchen Anschub geben.

Der Maschinen- und Gerätebau gehört zu den Branchen, die in Libyen 2004 und darüber hinaus Spitzenwerte im Wachstum aufweisen werden, die je nach Produkt zwischen 15 bis 30% betragen können. Da es nur eine geringe lokale Herstellung gibt, kommt das Wachstum ausländischen Lieferanten zugute, wobei der deutsche Maschinenbau wegen seiner sehr guten Geschäftsbeziehungen beste Chancen hat; unter Einschluss der Fahrzeuge aller Art hatte sich 2003 bereits ein Plus von ca. 30% ergeben.

Erdöl und Erdgas bilden wieder den stärksten Wachstumssektor Libyens. Nach mehr als zehn Jahren Vernachlässigung, die wesentlich durch die diversen Boykotts von VN, USA und anderen Nationen bestimmt war, ist der Modernisierungsbedarf enorm. Ausgehend von einer rückläufigen Entwicklung wird es 2004 zu zweistelligem Wachstum von realen 20 bis 25% p.a. kommen, dass über die kommenden Jahre anhält. Die Erdgasausbeutung kommt wegen dem enormen Kapitalbedarf und der externen Schranken weitaus langsamer voran als eigentlich möglich wäre. Sollten 2005 oder 2006 die US-Ölkonzerne zurückkehren und damit die externen Hürden fallen, wird ein Boom losgetreten, auf den die gesamte Volkswirtschaft wartet.

Das starke Wachstum wird in die "Folgebereiche" der Kohlenwasserstoff-Verarbeitung vordringen. 2004 setzt sich das Gerangel um die besten Startplätze unter den Konkurrenten fort. Gebannt wird die Ampel im Auge behalten und ob sie 2005 auf "Grünes Licht" springt. Es steht die Modernisierung aller Raffinerien an. Trotz der Unsicherheiten wird es 2004 zu ersten Auftragsvergaben kommen. Gleiches gilt für die Petrochemie. Von Grundstoffen über Kunststoffe bis hin zu Düngemitteln spannt sich der Bogen der zu erwartenden Projekte. Die bestehenden Chemiefirmen nehmen allerdings Produktions- und Absatzeinbußen in Kauf, was sich 2004 im mäßigen Wachstum deutschen Chemielieferungen von 0 bis 5% spiegeln könnte, nach geschätzten Minus 28% 2003.

Die Wasserversorgung ist ein Dauerbrenner für Aufträge in Libyen und war von den Boykotts zwar direkt wenig, aber indirekt doch sehr deutlich betroffen. Die Wachstumsaussichten sind mit 5 bis 10% 2004/05 entsprechend gebremst. Impulse gibt das "Great Man-Made River (GMMR)"-Projekt durch die Erweiterung mit Stufe IV. Zugleich kommt das Mega-Programm für ein Dutzend Entsalzungsanlagen langsam voran.

Die Schalter stehen auch im Energiesektor noch auf "kleiner Stufe". Dabei sind auch hier mehrere Kraftwerke (KW) und Stromnetze geplant. Immerhin sorgt der drängende Bedarf dafür, dass 2004 erste Aufträge vergeben werden. Das Wachstum des Sektors beträgt um die 5% p.a. und bleibt damit noch hinter den Erfordernissen zurück. Deutsche Produkte der Elektrotechnik können je nach konkretisierter Beteiligung an größeren Projekten um die 5 bis 15% wachsen.

Den Anschluss an die Entwicklung der Kernbranchen des "neuen Marktes", Informations- und Kommunikationstechnik (IuK), hat Libyen während seiner Isolation fast vollständig verloren. Entsprechend hoch ist der Nachholbedarf. Die Entwicklung ist auch hier noch gebremst. Immerhin sind die Wachstumsraten bereits zweistellig, Importe aus Deutschland können mit Plus 5 bis 10% rechnen.

Eine ausführliche Analyse der aktuellen Wirtschaftslage in Libyen bieten die "bfai-Wirtschaftstrends zum Jahreswechsel 2003/04", mit detaillierten Wirtschafts- und Branchenprognosen. Die "Wirtschaftstrends Libyen" sind zum Preis von 15,00 Euro erhältlich bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft, Bestell-Nr. 10011.