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Fischerei, Land- und Forstwirtschaft in Libyen

Informationen zur Agrarwirtschaft, Fischerei, ACCOBAMS-Abkommen.

22. September 2004 - Revolutionsführer Muammar el Gaddafi besichtigt landwirtschaftlichen Projekten in Al-Jufra

Während seiner Besichtungstour erkundigt sich Gaddafi über die Arbeitsfortschritte in diesen nach libyschen Angaben strategischen Projekten zur Produktion von Datteln und Oliven sowie Fischfarmen. Revolutionsführer Gaddafi wird dabei von General Abu Baker Younis Jaber begleitet und eröffnet auch den neuen Wadi al Washka-Damm nahe Sukna zum Schutz des Ackerland vor Wasserfluten aus den Senken.  Der Damm ist ausgelegt für eine Kapazität von 3,65 Millionen Kubikmeter Wasser. Auf dem Besuchsprogramm von Gaddafi stand auch das landwirtschaftliche Afya-Projekt südwestlich von Sukna, dass 5.000 Hektar umfaßt. Dieses Projekt besteht zwei Teilen; der erste Teil für die Produktion wurde 2003 errichtet und hat über 190.000 Datteln, Oliven und Feigenbäume. Der zweite Teil soll der Eigenbewirtschaftung dienen, in dem 360 Bauernhöfe entstehen sollen mit je 9 Hektar Bewirtschaftungsfläche. Das Projekt ist gerade im Aufbau.  Daneben reiste Gaddafi auch zu dem landwirtschaftlichen Chana-Projekt östlich von Wadan mit 2.400 Hektar für 400 Bauernhöfe zur Produktion von Datteln und Oliven zu je 5 Hektar Anbaufläche. 

Libyen gründet im August 2004 mittels des GMMR-Projektes ein neues Agrarprojekt mit Namen Abu Aisha 

Das libysche Volkskomitee für die Durchführung und das Management für das Great-Man-Made-River-Projekt (GMMR), dem großen Fluss von Menschenhand, plant zusammen mit der GMMR-Behörde ein ehrgeizige Landwirtschaftsprojekt mit Namen Abu Aisha. Mittels landwirtschaftlicher produktiver Projekte soll die Erzeugung erhöht und neue Jobs gebildet werden. Hierzu wurde ein Joint-Venture zwischen der Investitionsbehörde des Jabel al-Hasouna-Jafara Wassersystems mit italienischen Agrarunternehmen vereinbart. Entsprechend der Vereinbarung wurde der italienischen Investmentgesellschaft ein Anfangsprojekt über die Bewirtschaftung von 1.000 Hektar bewässertes Land für den Anbau von Gemüse, Getreide, Futter und Früchten ermöglicht. Das Projekt im Westen Libyens soll im November 2004 beginnen. Insgesamt umfasst das Abu Aisha-Projekt rund 8.795 Hektar Land, von denen 3.325 Hektar für 665 Bauernhöfe bewässert und strukturiert werden, so dass jeweils 5 Hektar zur Bewirtschaftung ausgegeben werden. Das GMMR-Projekt ermöglicht die Bewässerung, wo durch seine Rohrleitungen mittels der Tarhuna Abuzian Pipeline durchschnittlich 80.000 Kubikmeter Wasser fließen.

 

Der Mangel an landwirtschaftlich nutzbarem Boden, Arbeitskräften und Wasser, fortschreitende Bodenerosion, absinkende Grundwasserspiegel und starke Schwankungen der Niederschlagsmengen sowie die Landflucht behindern die Entwicklung der libyschen Landwirtschaft. Nur etwa 1,2 % des libyschen Territoriums werden als Ackerland und Dauerkulturen eingestuft. Weitere rund 4 % werden als Weiden genutzt. Nur etwa ein Zehntel des kultivierbaren Landes wird bewässert. 

Die Landwirtschaft trägt rund 7% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. 18 Prozent der Erwerbstätigen sind in diesem Sektor beschäftigt. 

Die wichtigsten Ackerbauprodukte sind Weizen, Gerste, Hülsenfrüchte und Gemüse. Die bedeutendsten Dauerkulturen sind Oliven mit einem Bestand von mehr als 7,6 Mio. Bäumen, gefolgt von Dattelpalmen (4,7 Mio.) und Mandelbäumen (2,1 Mio.).

Im März 2000 wurden auf einem Versuchsfeld in al-Jabal Al Gharbi, südwestliches Libyen, 300.000 Pistazienbäume gepflanzt, um deren Ertrag abzuschätzen. 

Mehr als 80 % der landwirtschaftlichen Produktion stammt aus der Küstenregion. Nur die Jefara-Ebene in Tripolitanien und die Jebel Al-Akhdar-Region in der Cyrenaika erhalten mehr als 200 mm Niederschlag pro Jahr.

Die Landwirtschaft trägt zusammen mit Forstwirtschaft und Fischerei ca. 6,6 % zum Bruttoinlandsprodukt bei (1993: 7,2 %). Hauptziele der staatlichen Förderung im Agrarsektor sind die Erreichung der Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln, die Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Lande und die Eindämmung der eng damit verbundenen Landflucht. Die Maßnahmen konzentrieren sich auf Erweiterung der Anbauflächen durch den Ausbau der Bewässerungswirtschaft, den Bau von Wohnungen und Bildungseinrichtungen auf dem Lande, Subventionen für Saatgut, Düngemittel, Elektrizität, Wasser und Treibstoffe sowie staatliche Garantien für Erzeugerpreise. Die libysche Landwirtschaft konnte in den vergangenen Jahren von einer teilweisen Deregulierung profitieren. Die Privatisierung von Staatsbetrieben wurde in Angriff genommen, der Handlungsraum der öffentlichen Kooperativen erweitert. Durch das Wiederaufleben der landwirtschaftlichen Kleinproduktion konnten bereits teilweise aufgetretene Versorgungsengpässe kompensiert werden.

Allerdings wird Libyen immer Nahrungsmittelimporteur bleiben, zur Zeit ca. 90 % des Getreideverbrauchs muß eingeführt werden. Die 1971 gegründete NASCO (National Supply Corporation) ist für den Import von Lebensmitteln und sonstigen Gütern für die Landwirtschaft zuständig. Sie verfügt über ein Kapital von 90 Millionen US-Dollar.

Regionale Verteilung der Landwirtschaftsflächen
Zone Fläche
Murzuq Becken 50.000 Hektar
Jabal Nafusah, Suf al Jin, westlich Sirte, Hammada el Hamra 25.000 Hektar
Jifarah Ebene 100.000 Hektar
Al Jabal al Akhdar 40.000 Hektar
Al Kufrah-As Sarir 25.000 Hektar
Gesamt 240.000 Hektar

Quelle: FAO

Eine Schlüsselrolle unter den Fördermaßnahmen zur Ertragssteigerung wird der Bewässerung eingeräumt. Zentrales Vorhaben ist hierbei das weltgrößte Wassergewinnungs- und -transportprojekt GMMR (Great Man Made River). Rund 5 Mio. m³ fossilen Grundwassers sollen täglich über eine ca. 1000 km lange Pipeline aus den südlichen Wüstenregionen in gewaltige Sammelbecken im Norden des Landes gepumpt und dort zur Bewässerung von ca. 240.000 h Land genutzt werden. Ein großer Teil des damit der Wüste abgerungenen Landes soll zum Getreideanbau sowie als Weideflächen für rund 2 Millionen Schafe und 200.000 Rinder dienen.

Einige Preisangaben in Libyen
Preis für Libyscher Dinar Euro
1 kg Bananen 1,50 bis 2,00 LD 1,00 bis 1,33 Euro
1 kg Äpfel 2,50 LD 1,67 Euro
1 kg Tomaten 0,75 LD 0,50 Euro
5 Stangen Brot 0,40 LD 0,19 Euro

Stand: März 2003

Viehhaltung in Libyen

Die traditionelle Viehhaltung wurde vor allem extensiv betrieben. Die wichtigsten Tierhalter waren die Nomaden. Kamele und Esel dienten und dienen vorwiegend als Transportmittel und zum Antrieb der Bewässerungsanlagen.

Die moderne Viehzucht Libyens wurde sich in den vergangenen Jahren mit ausgedehnten Zuchtprogramme stark ausgeweitet. Dennoch kann die steigende Nachfrage nach Fleisch nicht befriedigt werden. Nach Angaben der FAO gab es 1992 in Libyen schätzungsweise 5,6 Mio. Schafe, 135.000 Rinder (darunter 49.000 Milchkühe), 155.000 Kamele, 63.000 Esel, 28.000 Pferde und 58 Mio. Hühner. Die Molkereiproduktion hat ein beindruckendes Wachstum erfahren von 6.000 t 1970 auf 150.000 t 1992.

Produktionsdaten 2000
Ware Menge
Masthähnchen 83.000.000 Stück
Truthähne 1.000.000 Stück
Legehühner 6.500.000 Stück
Hähnchenfleisch 99.000 Tonnen
Truthahnfleisch 8.000 Tonnen

Quelle: MEDAGRI 2001

Fischerei

Libyen besitzt eine 1.685 km lange Küste und 57.000 km² Festlandssockel. Die libyschen Küstengewässer sind reich an Fisch, vor allem Thunfisch und Sardinen. Dies begünstigt den Auf- und Ausbau einer profitablen Fischereiwirtschaft. Der Fischfang wurde bisher vielfach von Ausländern (Italienern, Maltesern, Griechen, Tunesiern) betrieben. 

Vor der Eröffnung des Fischereihafens von Zlitan (Zliten) im Oktober 1983 (Kosten $ 16,8 Mio.) befand sich der einzige bedeutende Fischereihafen in Tripolis. Der Hafen von Zlitan bietet Platz für 40 Trawler und Lageraum für 200 Tonnen Fisch sowie Gefriereinrichtungen für bis zu 20 Tonnen Fisch pro Tag. 

Die libysche Regierung plant die Entwicklung einer Reihe kleinerer Fischereihäfen entlang der Küste zwischen Tripolis und Benghazi. Nach Angaben der FAO (UN Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation) stieg die Jahresfangmenge von 5.200 Tonnen im Jahr 1980 auf 7.800 Tonnen 1992.

Juli 2003: Die EU-Kommission möchte Partnerschaftsabkommen im Bereich der Fischerei mit Libyen abschließen

Die Europäische Kommission hat den Ministerrat um die Ermächtigung gebeten, mit der libyschen Regierung Verhandlungen über den Abschluss eines partnerschaftlichen Fischereiabkommens aufzunehmen. Ein solches Abkommen würde der Europäischen Union Fangmöglichkeiten in libyschen Hoheitsgewässern einräumen, Libyen erhielte dafür EU-Mittel zur Modernisierung seines Fischereisektors. Außerdem dürfte eine engere Zusammenarbeit im Fischereisektor die Beziehungen zwischen Libyen und der EU insgesamt festigen. Die EU-Regeln schreiben vor, dass die Mitgliedstaaten der Kommission vor Aufnahme der Gespräche ein Mandat erteilen müssen. Die Kommission veröffentlichte hierzu eine Mitteilung über Fischereivereinbarungen mit Drittländern. Hierin wird die Notwendigkeit unterstrichen, dass die EU mit Drittländern echte Partnerschaftsabkommen zum Vorteil aller Beteiligten schließen sollte, deren Maßnahmen die Entwicklung einer nachhaltigen Fischerei in den Gewässern des betreffenden Partnerlandes fördern. Im Sinne dieses partnerschaftlichen Ansatzes würde die Kommission die förmlichen Verhandlungen erst aufnehmen, nachdem sie sich ein genaues Bild vom Zustand der Bestände und der Lage des libyschen Fischereisektors gemacht hat. Außerdem würde eine wissenschaftliche Kampagne mit einem Forschungsschiff durchgeführt, um die Fischbestände in den libyschen Gewässern zu bewerten. Bei einem solchen Partnerschaftsabkommen würde der finanzielle Beitrag der EU hauptsächlich dazu dienen, den Ausbau des libyschen Fischereisektors im Einklang mit den Grundsätzen einer verantwortungsvollen Fischerei und nachhaltiger Entwicklung zu fördern, dazu zählen:  - Zusammenarbeit bei der Bestandserhaltung
- Fischereiüberwachung
- Zuschüsse für die traditionelle und kleine libysche Fischerei
Libyen verfügt über eine Mittelmeerküste von beinahe 2 000 km Länge und ist Mitglied der Allgemeinen Kommission für die Fischerei im Mittelmeer (GFCM)

ACCOBAMS – Abkommen zum Schutz von Walen und Delfinen im Mittelmeer und im Schwarzen Meer

Im Mittelmeer und im Schwarzen Meer sind derzeit 22 Arten der Cetacea (Wale und Delfine) bekannt. Zahlreiche Faktoren stellen eine Bedrohung für die Meeressäuger dar: Überfischung und Reduktion der Nahrungsressourcen, Beifang in Fischernetzen, Verschmutzung und Zerstörung der Lebensräume, Lärmverschmutzung, zunehmender Schiffsverkehr, aber auch teilweise zunehmende unkontrollierte Wal- und Delfinbeobachtungsausfahrten. Im Schwarzen Meer werden darüber hinaus Delfine auch noch für Zoos und Vergnügungsparks gefangen.

Um den Gefahren für Cetacea entgegenzuwirken und diese zu verringern wurde ein internationales Abkommen zur Erhaltung von Walen und Delfinen im Mittelmeer und im Schwarzen Meer (ACCOBAMS = Agreement on the Conservation of Cetaceans in the Black Sea, Mediteranean Sea and Contiguous Atlantic Sea) unterzeichnet. Darin werden nun erstmalig die beteiligten Länder dazu aufgefordert den Aktionsplan zur Erhaltung der Meeressäuger gemeinsam zu verwirklichen. Dies bedeutet u.a. ein Verbot der Jagd auf die Meeressäuger, die drastische Reduktion des Beifangs verursacht durch Fischereiaktivitäten und Einrichtung geschützter Zonen einzurichten, die spezielle Bedeutung für die Nahrungssuche, Geburt und Aufzucht der Jungen haben. Außerdem sollen die Regierungen der Mitgliedsstaaten Programme fördern, die zur Aufklärung der Bevölkerung dienen und helfen sollen ein besseres Verhältnis zwischen Mensch und Cetacea aufzubauen. Vermehrte Forschungsarbeit ist ebenso ein wichtiges Anliegen innerhalb der Umsetzung des Aktionsplanes.

Die erste Tagung der Vertragsstaaten fand im Februar 2002 in Monaco statt. Dort befindet sich auch das ACCOBAMS - Sekretariat.

Mitgliedsstaaten von ACCOBAMS: Ratifiziert haben: Albanien, Bulgarien, Georgien, Kroatien, Libyen (in Kraft ab 1. September 2002), Malta, Marokko, Monaco, Rumänien, Spanien, Syrien und Tunesien. Unterfertigt, aber noch nicht ratifiziert haben: EU, Frankreich, Griechenland, Israel, Italien, Portugal, Türkei, Ukraine, Zypern.

Forstwirtschaft

1992 wurden 646.000 m³ Holz eingeschlagen, davon 536.000 m³ Brennholz. Die libysche Regierung hat ein Wiederaufforstungsprogramm in Angriff genommen, um der fortschreitenden Desertifikation Einhalt zu bieten