Dieses Projekt steht inkl. Domain zum Verkauf. Interesse? E-Mail an info[at]libyen.com

Ausländische Investitionen in Libyen

Kurze Angaben zu Investitionen in Libyen und einigen gesetzlichen Bestimmungen.

Nach Jahren des UN-Embargos ist Libyen wieder ins Interesse internationaler Handels- und Investitionsaktivitäten gerückt. Zusätzlich haben Liberalisierungen das Tor nach Libyen weit aufgestoßen.

So wurden mit dem Dekret 242/1429 (1999) des Allgemeinen Volkskongresses Import und Vertrieb verschiedener Waren neu geregelt

  • Grundversorgungsgüter (nach Liste 1) wie z.B. Weizen, Speiseöle, Zucker, Kinderbekleidung, medizinische Verbrauchsgüter und Schulbedarf, die ausschließlich von staatlichen Unternehmen importiert werden, müssen weiterhin auf der Grundlage des offiziellen Wechselkurses (1 US$ = 0,45 LD) eingeführt werden. 
  • Gleiches gilt für Waren nach Liste 3: Rohstoffe, die in den Produktionsprozess einfließen und Montageteile für die inländische Fertigung z. B. von Fahrzeugen, Geräten oder Anlagen müssen zum offiziellen Wechselkurs eingeführt werden und dürfen nicht weiterverkauft werden. 
  • Fertigwaren nach Liste 2, dazu gehören z.B. Lebensmittel, Kosmetikartikel, Waschmittel, Bürogeräte, Fotoausrüstungen, Werkzeugmaschinen, neue und gebrauchte Pkw mit mehr als 1600 cm Hubraum und Baumaterialien, dürfen von lizenzierten Großhandelsunternehmen zu Preisen auf der Basis des Parallelmarkt-Wechselkurses importiert werden. 
  • Gleiches gilt für Maschinen, Ausrüstungen und Fertigungsmittel nach (Produktionsbereiche-) Liste 4, die von Betrieben der weiterverarbeitenden Industrie auf der Grundlage des Parallelmarktkurses importiert werden dürfen: Hierzu gehören Waren, die zur Herstellung u.a. von Schuhen, Parfums, Erfrischungsgetränken, Kunststoffen, Papier, Metall, Farben, Küchenmaschinen, Computern und Ersatzteilen von Lkw und Traktoren gehören.

Das Gesetz Nr. 5 von 1997, das ausländischen Investoren mit - unter bestimmten Voraussetzungen gewährten - Steuer- und Zollbefreiungen und der Zulassung eines etwaigen Gewinntransfers eine Reihe von Vergünstigungen einräumt, soll ausländisches Kapital ins Land bringen. Als mögliche Investitionsgebiete nennt das Gesetz die Bereiche Industrie, Landwirtschaft, Tourismus, Gesundheit und andere Dienstleistungen. Inwieweit diese Anreize ausreichen, um ausländische Investoren anzuziehen, ist angesichts der allgemeinen wirtschaftspolitischen Situation unklar. Zwar gibt es gewisse Ansätze einer vorsichtigen Liberalisierung wie beispielsweise das Privatisierungsgesetz von 1992, das - mit Ausnahme einiger zentrale Sektoren - die Veräußerung von Staatsanteilen an Private ermöglichen soll. Weitergehende rechtliche Grundlagen für eine Liberalisierung der Wirtschaft fehlen jedoch bislang. Libyen ist nach wie vor im wesentlichen eine sozialistische zentrale Verwaltungswirtschaft mit umfangreichen staatlichen Reglementierungen. Die wirtschaftspolitische Willensbildung über den Allgemeinen Volkskongress ist schwierig und langwierig, die Praxis des Wirtschaftslebens mit zahlreichen Unwägbarkeiten behaftet. Ob die nach dem Ende der Isolierung des Landes grundlegend neue Situation der Ausgangspunkt für weitergehende Liberalisierungsmaßnahmen darstellt, bleibt abzuwarten. 

Italien wird seine Position als wichtigster Handelspartner Libyens festigen. So werden z. B. den 140 Mitgliedsfirmen der libysch-italienischen Beratungsgesellschaft Azienda Libica Italiana (ALI) Sonderprivilegien eingeräumt. Etwa bei der Hälfte der in den kommenden Jahren geplanten Investitionen in die Verkehrs-, Erdöl-, Tourismus- und Wasserversorgungs-Infrastruktur sollen italienische Firmen mitwirken.

Gleiches gilt für den Erdgassektor der für die nationale Energieversorgung ausgebaut werden soll und das hochwertige Erdöl für den Export freigeben soll. Hier wurde u.a. das At-Tahaddy-Gasfeld nördlich von Marsa el-Brega zur Entwicklung ausgeschrieben und Aufträge für Gasleitungen zur Anbindung des Feldes an ein nationales Verteilungsnetz vergeben. Für die Umrüstung von Kraftwerken auf Gasbefeuerung wurden bereits Aufträge vergeben, Ausschreibungen für die Errichtung neuer Gaskraftwerke werden erwartet.

Ende 1999 vergab ein libysch-italienisches Joint-Venture zwischen der staatlichen NOC National Oil Corporation und der ENI-Tochtergesellschaft Agip Gas den Auftrag für eine Erdgasleitung zwischen Libyen und Italien an die französische Gesellschaft Technip Geoproduction. Ab Ende 2003 sollen über die 540 km lange Pipeline 8 Mrd. m³ der bis dahin erhofften 10 Mrd. m³ Jahresproduktion nach Italien exportiert werden. 2 Mrd. m³ sind für den lokalen Verbrauch in Libyen vorgesehen.

In Misuratah ist der weitere Ausbau und die Modernisierung des Eisen- und Stahlwerk-Komplexes der Libya Iron and Steel Company (Lisco) geplant. Unter anderem sollen drei bestehende Lichtbogenöfen erneuert, ein neuer Gießereiofen installiert und die Beizanlage beim Stahlwerk ausgebaut werden.

Die ausländischen Investitionen in Libyen konzentrieren sich bislang hauptsächlich auf den Erdölbereich. Im Kraftfahrzeugbereich wurden noch Investitionen der italienischen Unternehmen Iveco und Calabrese bekannt.