Atomwaffen (Kernwaffen)
Informationen zum Entwicklungsstadium des libyschen Atomprogramms. Atomwaffen, Kernwaffen und Nuklearwaffen.
Früheres Atomprogramm in Libyen
10. März 2004: Libyen unterzeichnet Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag
Er halte dies für "ein weiteres Anzeichen für Libyens Einsatz, sich von Massenvernichtungswaffen wegzubewegen", sagte der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed el Baradei, bei der Unterzeichnung des Protokolls in Wien. Iran drohte derweil damit, die Zusammenarbeit mit der IAEA zu beenden, sollte Europa sich dem "Druck" der USA weiterhin beugen. Ansonsten sei die Zusammenarbeit "einseitig" und es gebe keinen Grund, sie fortzusetzen, sagte der iranische Außenminister Kamal Charrasi in Teheran. "Libyens Entscheidung könnte und sollte ein erster Schritt für ein atomwaffenfreies Afrika und einen atomwaffenfreien Nahen Osten sein", sagte Baradei am Sitz der IAEA. Die Behörde und er selber würden auch weiterhin "sehr eng" mit der Regierung in Tripolis zusammenarbeiten, "um sicherzustellen, dass Libyen den vollen Nutzen friedvoller Kerntechnik in Bereichen wie Strom, Landwirtschaft und Industrie hat". Der libysche Wissenschaftsminister Mohamed Matouk sagte, die Regierung habe sich freiwillig zu diesem Schritt entschlossen, "um eine neue Beziehung mit der internationalen Gemeinschaft aufzubauen und weitere Länder zu ermutigen, den gleichen Weg zu gehen". Das Zusatzprotokoll ermöglicht den Inspektoren der IAEA unangekündigte Inspektionen aller libyschen Atomanlagen. Libyen hatte nach monatelangen Geheimverhandlungen mit den USA und Großbritannien am 19. Dezember 2003 seinen Verzicht auf Massenvernichtungswaffen bekannt gegeben und kurz darauf auch die Unterzeichnung des Zusatzprotokolls angekündigt. Unmittelbar vor der Unterzeichnung des Zusatzprotokolls verabschiedete der Gouverneursrat der IAEA einstimmig eine Entschließung zum libyschen Atomprogramm. Darin hätten die 35 Mitglieder des Gremiums zwar Libyens Verstöße in der Vergangenheit gerügt, zugleich jedoch das Land für seine derzeitige "aktive Zusammenarbeit" gelobt, sagte ein Sprecher der IAEA in Wien. Sanktionen gegen das nordafrikanische Land seien nicht vorgesehen.
8. März 2004 - Libyen lieferte 16 Kilogramm hoch angereichertes Uran nach Russland aus
Libyens Revolutionsführer Muammar el Gaddafi hatte am 19. Dezember 2003 angekündigt, seine Massenvernichtungsprogramme aufzugeben und sein Atomprogramm unter die Kontrolle der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zu stellen. Mit der Rücklieferung von 16 Kilogramm Uran an Russland hat Libyen auch den ersten praktischen Schritt in diese Richtung vollzogen. Die ehemalige Sowjetunion hatte das Uran zwischen 1980 und 1984 an Libyen geliefert. Dort wurde dann im Wissenschaftszentrum und 10 Megawatt-Versuchsreaktor von Tajura damit experimentiert. Das nun mit einem Flugzeug in Spezialcontainern nach Dimitrovgrad in Russland zurückgelieferte Uran-235 ist zu 80 Prozent angereichert. In Russland sollen die Anreicherungen abgebaut werden, damit das Uran nicht mehr waffenfähig ist. Die Kosten für den Rücktransport von schätzungsweise 700.000 US-Dollar werden von den USA finanziert, erklärte die IAEO in Wien.
Januar 2004 - Saif al Islam Gaddafi bestätigt Planungen zum Bau einer Atombombe in Libyen. Pläne wurden in Pakistan für 40 Millionen US-Dollar gekauft
Der Sohn von Revolutionsführer Muammar el Gaddafi und Vorsitzender der Gaddafi-Stiftung, Saif el Islam Gaddafi erklärte in einem Interview mit der Sunday Times, dass Großbritannien miteinbezogen wird, in der Ausbildung und Ausrüstung der libyschen Streitkräfte im Rahmen eines Abkommens, dass Premierminister Tony Blair vor Weihnachten 2003 verkündet hatte. So wurden die britischen Unternehmen BAe Systems und BP British Petroleum genannt. Saif al Islam Gaddafi erklärte gegenüber der arabischen Zeitung Al-Sharq al-Awsat, es wäre kein Problem wenn britische und amerikanische Experten in Libyen sich befinden, aber keine Truppen. "Wir geben unsere Waffen auf, aber benötigen einen internationalen Schutzschirm zur Sicherheit", so Saif al Islam. Er bestätigte zudem, dass Libyen Pläne zum Bau einer Atombombe von pakistanischen Wissenschaftlern für 40 Millionen US-Dollar gekauft habe. Einige der "5-Sterne-Wissenschaftler" im Land arbeiteten am Bau an einer Atombombe und wurden in Grossbritannien ausgebildet. Saif al Islam Gaddafi bestätigte auch Berichte, wonach die Zentrifugen zur Anreicherung von Uran von mehreren Händlern auf dem Schwarzmarkt gekauft wurden, u.a. aus Malaysia und anderen asiatische Staaten. Zeitungsberichte zufolge soll der Schmuggel mit den Gas-Ultrazentrifugen auch aus Nordkorea und von Abdul Khan, der "Vater der islamischen Bombe" in Pakistan erfolgt sein.
Libyen ratifiziert Abkommen zum Stopp von Atomtests


Foto: Atompilz
Nach dem offiziellen Verzicht Libyens auf Massenvernichtungswaffen hat sich das nordafrikanische Land dem internationalen Abkommen zum Stopp von Atomtests angeschlossen. Die libysche Regierung habe den Atomteststoppvertrag (CTBTO) bereits am 6. Januar 2004 ratifiziert, teilte der Leiter der (CTBTO)-Vorbereitungskommission, Wolfgang Hoffmann, in Wien mit. Libyen hatte den Vertrag bereits am 13. November 2001 unterzeichnet ihn aber jetzt erst ratifiziert. Unterzeichnet wurde das Abkommen bislang von 170 Staaten. Der CTBTO-Vertrag wurde am 10. September 1996 von der UNO-Vollversammlung verabschiedet. Damit der Vertrag in Kraft treten kann, sind die Ratifizierungen von 44 Ländern mit Nuklearpotenzial notwendig. Bisher haben 32 dieser Staaten den Vertrag ratifiziert. Einige weitere, darunter die USA, haben unterschrieben, aber nicht ratifiziert. Indien, Pakistan und Nordkorea haben keine Unterschrift geleistet. Libyen hatte am 19. Dezember 2003 nach monatelangen Geheimverhandlungen mit den USA und Großbritannien den Verzicht auf Massenvernichtungswaffen bekannt gegeben und sich zur Unterzeichnung des Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag bereit erklärt.
Nukleares Forschungszentrum in Tajura südlich von Tripolis
In Tajura steht nahe dem TNRC Tajoura Nuclear Research Centre ein 10 Megawatt Versuchsreaktor (Kernkraftwerk), der von der Sowjetunion 1979 geliefert wurde. Er steht unter der Kontrolle der IAEO (Internationalen Atomenergiebehörde). Das Kernkraftwerk ist allerdings schon länger vom Netz. Dieser Typ eines Leichtwasserreaktors nutzte Uranium 235 (80 %) und Beryllium als Regulator. Rund 750 libysche Techniker sollen hier Anfang der 80er Jahre tätig gewesen sein.

Reaktor des libyschen
Forschungszentrums
In den 1970er Jahren sollte ein weiteres Kernkraftwerk mit 440 Megawatt Leistung nahe dem Golf von Sidra von der Sowjetunion gebaut werden, das Projekt wurde später aufgegeben.
Am 6. Juli 1990 unterzeichnete Libyen den Vertrag über das Verbot der Anbringung von Kernwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen auf dem Meeresboden und im Meeresgrund.
Libyen versucht in den 90er Jahren weiterhin Atomwissenschaftler und Techniker im Ausland auszubilden.
Am 29. April 1990 ruft Revolutionsführer Muammar el Gaddafi sogar offiziell zur Produktion von Atomwaffen auf.
1995 wird der NPT - Non-Proliferation-Treaty (Atomwaffensperrvertrag) auf unbestimmte Zeit verlängert. Kontrollorgan des NPT ist die IAEO Internationale Atomenergie-Organisation mit Sitz in Wien. Die Länder Indien, Pakistan, Israel und Kuba haben bis heute den Vertrag nicht unterzeichnet.
Am 20. Dezember 2003 gab Libyen offiziell zu an einem Atomprogramm gearbeitet zu haben
Die USA und Großbritannien haben die Entscheidung Libyens am 20. Dezember 2003 als Erfolg gefeiert, auf die Entwicklung von ABC-Waffen zu verzichten. Tatsächlich aber soll Libyen nach seinen zwanzigjährigen Bemühungen, an atomare, chemische und biologische Massenvernichtungswaffen zu gelangen keine Fortschritte erzielt haben. Im Jahr 2001 bescheinigte das US-Verteidigungsministerium in einem ausführlichen Bericht Libyen wenig Erfolg bei der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen. Seitdem hat es laut einem CIA-Bericht kaum Fortschritte gegeben. Ohne technische und fachliche Hilfe aus dem Ausland würden die Fortschritte weiterhin gering bleiben, befand der US-Geheimdienst im November 2003. Wenig erfolgreich war auch der Versuch Libyens, eigene Langstreckenraketen zu entwickeln. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums waren die Scud-Raketen in libyschem Besitz schon 2001 nur beschränkt einsatzfähig; vom Ziel eigener Raketen war das Land zwei Jahre später nach wie vor weit entfernt. Zurzeit laufen Raketenprojekte sowieso nur mit Unterstützung aus Serbien, Indien, dem Iran und China - nach Einschätzung des Geheimdienstes könnte Libyen jedoch versuchen, von Nordkorea oder dem Iran Mittelstreckenraketen zu beziehen. Ähnlich spekulativ äußerte sich der Bericht auch zu dem libyschen Versuch, an atomare Waffen zu gelangen. Das Land verfügt über einen alten Forschungsreaktor sowjetischer Bauart, als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags muss es regelmäßig internationale Kontrollen durch die IAEO zulassen. Laut dem US-Geheimdienst CIA könnte Libyen auf eine Umrüstung für militärische Zwecke setzen. Dafür fehlt allerdings das Know-How.
