Dieses Projekt steht inkl. Domain zum Verkauf. Interesse? E-Mail an info[at]libyen.com

Stellenwert Schwarzafrikas in der libyschen Außenpolitik 1969 - 1992

Artikel zum Thema der libyschen Afrikapolitik.

Die libysche Schwarzafrikapolitik stand seit 1969 stets in einem Residualverhältnis zur arabischen Regionalkomponente, in deren Dienst sie agierte und deren temporärer Erfolg oder Misserfolg durch ein Engagement in schwarzafrikanischen Staaten kompensiert wurde. Die Außenpolitik des Revolutionsregimes war von Anfang an vom Primat der arabischen Einheit geprägt, wobei das Codewort der Umsturznacht durch Gaddafi (01.09.1969) al-Quds (Jerusalem) den besonderen Stellenwert der Befreiung Palästinas betonte. Vor diesem Hintergrund war die Schwarzafrikapolitik des Revolutionsrates nur eine funktionale Komponente zur Erreichung des außenpolitischen Hauptzieles. Dies zeigte sich deutlich in der ersten Phase libyscher Südsaharapolitik 1970 bis 1973, die eindeutig auf die Bekämpfung und Zurückdrängung des israelischen Einflusses in Afrika ausgerichtet war und insofern erfolgreich war, als die parallel laufenden Bemühungen anderer arabischer Staaten (Ägypten, Algerien, Saudi-Arabien) und der Einsatz des Erdöls als politische Waffe dazu führten, dass es nach dem Oktoberkrieg 1973 den schwarzafrikanischen Staaten opportun erschien, zur Sicherung finanzieller Hilfen der arabischen Staaten mit Israel diplomatisch zu brechen. Nach diesem Erfolg schwächte sich das libysche Engagement, das 1972/73 mit der Intervention zugunsten des zum Islam übergetretenen und zunehmend antiisraelisch agierenden ugandischen Präsidenten Idi Amin Dada in seinem Kampf gegen die ugandische Auslandsopposition einen Höhepunkt erreichte, deutlich ab, um erst wieder ab Ende 1974 nach dem Scheitern der panarabischen Ambitionen Gaddafis sowohl im Mashriq (besonders die Unionsversuche mit Ägypten, dem Sudan und Syrien ab 1970) als auch im Maghreb (Union mit Tunesien im Januar 1974) einen neuen Anlauf zu nehmen. Hauptmotiv hierbei war die Sicherung der libyschen Südgrenze (in deren Verlauf es ab 1975 zur Besetzung und Annektierung des tschadischen Aouzou-Streifens kam) und der Versuch, die Isolation Libyens innerhalb des arabischen Lagers durch verstärkte diplomatische Aktivitäten in Afrika südlich der Sahara zu kompensieren. Diese Funktion des libyschen Schwarzafrikaengagements modifizierte sich Ende 1977, als unter der Losung „Afrika den Afrikanern" ein antikolonialistischer/antiimperialistischer Aktivismus – in erster Linie gegen die USA und Frankreich gerichtet – entfaltet wurde. 

Ideologische Grundlage dieser Politik war vor allem der Ende 1977 veröffentlichte Teil II des "Grünen Buches", der politischen Handlungsanleitung der Dritten Universalen Theorie al-Gaddafis; u.a. wurde der Kampf gegen Monopole propagiert und für die sozialgerechte Umverteilung des Volkseinkommens plädiert. Schwerpunkte der Kooperation waren die „progressiven Südsaharastaaten" (Tschad zur Zeit Goukouni Queddeis; Burkina Faso zur Zeit Thomas Sankaras; das Ghana Jerry Rawlings´; Benin, Äthiopien), wobei der Tschad als direkter Südanrainer Libyens zum Zentrum des immer stärkeren Engagements bis hin zur militärischen Intervention auf Seiten Goukouni Queddeis Anfang der 1980er Jahre wurde. Einen erneuten Bruch in der libyschen Südsaharapolitik gab es 1987, als die tschadischen Truppen Hissen Habrés die libyschen Streitkräfte aus dem bislang von ihnen besetzten Nordtschad vertrieben (tschadisch-libyscher Waffenstillstand 11. September 1987) und dieser tschadische Erfolg auch die Klärung der territorialen Zugehörigkeit des Aouzou-Streifens einleitete (bilaterale Verständigung zur Klärung der beiderseitigen Ansprüche durch den Internationalen Gerichtshof in Den Haag; Ablehnung der libyschen Ansprüche im Februar 1994; libyscher Rückzug im Mai 1994). Das Engagement Libyens im gesamten südsaharischen Afrika reduzierte sich dabei de facto in dem Maße, in dem sich die Annäherung an die anderen Maghrebstaaten vollzog (Gründung der Arabischen Maghrebunion/AMU) am 17. Februar 1989; Gaddafi zeigte sich jedoch stets offen, gegebenenfalls die Union nach Süden zu erweitern) und die Aussöhnung mit Ägypten, dem Hauptvermittler im Lockerbiekonflikt (als zentralem außenpolitischen Konflikt Libyens seit Beginn der 1990er Jahre), stattfand. Die aus libyscher Sicht mangelnde Effizienz der AMU wie auch der Arabischen Liga sowohl bei der Verhinderung der Lockerbie-bedingten UN-Sanktionen (Resolution des UN-Sicherheitsrates vom 31.03.1992 - in Kraft ab 15.04.1992) als auch bei den Anstrengungen zu ihrer Aufhebung haben ab Mitte der 1990er Jahre im Zusammenhang mit der libyschen "Antisanktionspolitik" Schwarzafrika unter Federführung des langjährigen "Afrikapolitikers" Ali Abd al-Salam Triki zum erneuten prioritären Aktionsraum werden lassen.